Die Therapiemethoden

Die bedeutendste Therapieform ist die Pharmakologie. Über 2800 Substan- zen sind in der Chinesischen Arzneimittellehre vereinigt und bilden einen hochwirksamen Schatz, der nach Maos Wort gehoben werden sollte. Viele der Heilsubstanzen finden sich mit tendenziell ähnlicher Verwendung auch im Westen. Als Beispiele etwa die Rhabarberwurzel, Engelwurz, Zimt, Wegerich etc. Manches aber ist in China allein heimisch. Ob es sinnvoll und in grossem Rahmen machbar ist, sie aus ihrem kulturellen Kontext heraus im Westen verfügbar zu machen, bleibt der Zukunft überlassen.

Die wohl bekannteste Therapieform ist die Akupunktur, die im Westen zwar schon seit dem 17. Jahrhundert bekannt ist, aber eigentlich erst in den letzten 20 Jahren in einer Art vermittelt und angewendet wird, die dem chinesischen Standard entspricht. Es werden dabei Nadeln in die Punkte der Leitbahnen eingeführt um eine Regulation des Qi-Flusses zu bewirken. Da es sich bei der Akupunktur um eine einfache, kostengünstige und dabei hochwirksame Methode handelt, empfiehlt sie die Weltgesundheitsorganisation für etwa 80 Indikationen als Therapie der Wahl.

Nicht zu trennen von der Akupunktur sind die Moxibustion, eine Erwärmung der Punkte durch Verbrennen von Artemisia (Beifuss), und die Massage der Leitbahnen und Punkte (An mo). Die im Westen sogenannte Akupressur ist nur in Teilen mit der chinesischen Massage identisch.

Als Ergänzung der Akupunktur gilt das Schröpfen, das in der westlichen Na- turheilkunde seine direkte Entsprechung hat.

Während im Westen die körperliche Ertüchtigung als präventive Massnahme kaum 200 Jahre Tradition hat, sind Übungen zu diesem Zwecke ein integraler Bestandteil der Chinesischen Medizin oder der chinesischen Kultur seit mehreren tausend Jahren. Heute erobern sie in der Form von Qi gong und Tai ji quan langsam auch die übrigen Kulturkreise. Auch hier fällt es schwer, eine kurze Definition zu geben, da Atemübungen, Gymnastik, Meditations- techniken etc. unter einem Begriff subsumiert werden. Dazu kommt, dass China gerade in diesem Bereich am zugeknöpftesten ist. Wenig bekannt im Westen ist die Tatsache, dass mit Qi auch äusserlich gearbeitet werden kann. Dabei sendet der Heiler Qi aus und überträgt es auf den Patienten.

Ein weiterer Themenkreis, der im Westen kaum bekannt ist, ist das hochdiffe- renzierte System der chinesischen Diätetik. Auch sie hält erst jetzt Einzug in den Westen. Da nach einem klassischen Wort der chinesische Arzt vorbeugt und nach Möglichkeit nicht erst nach Ausbruch der Krankheit therapiert, kom- mt der Diätetik eine enorme Bedeutung in der Chinesischen Medizin zu.

Es ist nun in China so gewesen, dass nur einige Ausnahmegestalten die ganze Breite der therapeutischen Methoden beherrscht haben. Aber die Spe- zialisierung war und ist doch noch nicht so weit fortgeschritten, dass ein The- rapeut nur eine Methode beherrscht. Wer sich im Westen mit Chinesischer Medizin beschäftigen will, tut gut daran, sich einen möglichst breiten Einblick in das System zu verschaffen, um dann nach Neigung und Begabung ein Hauptgewicht zu legen. Als Therapeut sollte er aber immer in der Lage sein, Alternativen innerhalb des Systems anzubieten. Ausserdem ist die Chinesi- sche Medizin ein ganzheitliches System, das auch den Therapeuten als Gan- zes fordert.

 

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